Wie man gut mit weniger lebt // Nachhaltigkeit

25.4.19


Anna lebt mit wenigen Lieblingsstücken anstatt im Überfluss*
Ende letzten Jahres habe ich Anna und ihren Blog "Kauflos glücklich" kennengelernt. Sie erzählte mir, dass sie seit Jahren schon keine neuen Dinge kaufen will & muss, sondern viele Alternativen gefunden hat, die sie online mit ihren Leser/innen teilt. 

Nichts Neues zu kaufen mag für manche Menschen verrückt und unmöglich klingen, aber für Anna ist es ganz normal. Sie empfindet es auch überhaupt nicht als Verzicht so zu leben und hat sogar schon Vorträge gehalten, um auch andere Menschen zu inspirieren.

Ich war jedenfalls sofort Feuer und Flamme für ihr Thema, da ich selbst auch ein Fan von Konsumverzicht/bewusstem Konsum geworden bin. Also vereinbarte ich einen Interviewtermin mit Anna, um herauszufinden, wie sie auf die Idee gekommen ist und wie sie es schafft, ohne Neuanschaffungen im klassischen Sinn auszukommen. 


Hallo Anna, warum bist du - wie dein Blog sagt - kauflos glücklich?

Weil ich mich nicht mehr so sehr mit Aufräumen oder Shoppen "herumplagen" muss und mehr Zeit für Wichtigeres habe. Und weil ich die Sachen, die in den letzten Jahren zu mir gefunden haben bzw. die ich gekauft habe, mehr wertschätzen kann. 

Das klingt spannend! Wie bist du darauf gekommen?

Eigentlich war es "nur" ein Neujahrsvorsatz für 2016, aber es hat sich so gut angefühlt, dass ich bis heute damit weitermache, nichts Neues zu kaufen.

Tauschen / Verschenken findet Anna noch besser als kaufen


Wie war dein Konsumverhalten denn vor besagtem Silvester 2015/2016?

Also vorher war ich auch schon keine klassische "Shopping Queen", aber ich habe schon gekauft ohne über die Produktionsbedingungen, unter denen die meisten Produkte hergestellt werden, nachzudenken. An schönen Kerzen konnte ich zum Beispiel nicht vorbeigehen und habe allgemein viele Impulskäufe getätigt. Eine Ausstellung über "Fast Fashion"** in Hamburg hat mir die Augen geöffnet. Da dachte ich dann: Nein, so was will ich nicht weiter unterstützen!

Und was waren dann deine ersten Schritte nach dieser Entscheidung?

Erstmal habe ich alles aufgebraucht, was ich zu Hause sowieso noch hatte, zum Beispiel Kosmetik. Dadurch konnte ich mir Neukäufe teilweise gut einsparen. Der finanzielle Vorteil war übrigens nie ein Grund für mich so zu leben. Aber trotzdem ist es natürlich schön, dabei auch noch Geld zu sparen.  


Vieles, so wie Kerzen, macht Anna einfach selbst
Gibt es also rein gar nichts, das du neu kaufst?

Naja, Ausnahmen mache ich bei Klopapier, Lebensmitteln und, wenn nötig, Medizin. Und unser neuer Kühlschrank war zum Beispiel ein Kompromiss, da alte Elektrogeräte meist eine schlechte Energiebilanz haben.

Okay, und die drei ersten Dinge sind also Ausnahmen, weil man sie nicht gebraucht bekommt, oder?

Das möchte man meinen, aber Lebensmittel gibt es tatsächlich auch "gebraucht" - nämlich beim Foodsharing! Dabei rettet man abgelaufene oder nicht mehr so schöne Ware davor, dass sie in den Müllcontainern der Supermärkte landen. Das mache ich jetzt auch schon eine Weile und beziehe mittlerweile sogar ungefähr die Hälfte meiner Lebensmittel darüber. 

Und wie kommst du an alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs?

Bei Klamotten ist das zum Beispiel super einfach: es gibt Tauschpartys oder Secondhandläden. Für andere Dinge gibt es im Internet Verschenkegruppen oder die Möglichkeit, etwas gebraucht zu kaufen. Außerdem brauche ich auch immer noch alte Sachen auf oder stelle auch vieles, wie zum Beispiel Deo oder Kerzen, selbst her. Meistens frage ich aber auch erstmal in meiner Familie nach, wenn ich so etwas wie Salatbesteck brauche, da vieles in anderen Haushalten doppelt vorhanden ist.

Wie Anna fast ohne Papier zu kaufen durch ihr Studium gekommen ist, verrät sie auf ihrem Blog

Wie hältst du es mit Geburtstagen - deinem eigenen und denen von anderen?

Meinen Freunden und meiner Familie habe ich gleich zu Beginn gesagt, dass sie mir nichts Neues mehr schenken müssen. Ich freue mich mehr über Gutscheine für gemeinsame Erlebnisse - Stichwort "Zeit statt Zeug" -, Selbstgemachtes oder Gebrauchtes. Und genau das verschenke ich auch selbst. Was aber sonst natürlich immer geht, sind Dinge, die sich mit der Zeit selbst aufbrauchen (z.B. Essen oder Seifen).

Was könnte jede/r von uns ganz leicht umsetzen, um auch etwas nachhaltiger zu leben?

Wenn man Impulskäufe vermeidet und stattdessen überlegt, was man wirklich braucht und ob es das vielleicht schon irgendwo - gebraucht - gibt, trägt man schon einen Teil bei. Der Satz "Ich muss mir heute was gönnen", also sich mit Einkaufen zu belohnen, ist Quatsch. Zusätzlich kann man natürlich auch "Zeit statt Zeug" an andere verschenken. Und bevor man zu Wegwerfartikeln greift, sollte man sich über die Alternativen informieren, sprich Mehrweg statt Einweg. Ich habe unterwegs zum Beispiel immer eine Glasflasche dabei, die ich überall mit Leitungswasser füllen kann.

Kaputte Gegenstände erst reparieren bevor sie durch neue ersetzt werden - ein weiterer von vielen Tipps auf Annas Blog

Hast du ein konkretes Ziel für deine Zukunft?

Ein Ziel habe ich nicht direkt, aber vielleicht einen Wunsch: nämlich, dass das was ich mache "normal" wird und dass im Gegenzug der Konsum ohne Sinn und Verstand an Anerkennung verliert.

Wenn sich nun ein paar meiner Leser/innen mehr mit den Themen Konsumverzicht und Nachhaltigkeit beschäftigen möchten, was finden sie auf deinem Blog?

Zum einen natürlich meine ganze Geschichte, wie ich selbst zu diesem Lebensstil gekommen bin. Aber auch noch viele Tipps und Anleitungen, Alternativen zu Einwegprodukten, Rezepte, Veranstaltungstipps und einfach meine Erfahrungen. (Und - ganz neu - auch eine Liste mit Secondhandläden in Oldenburg; Anm.d.Red.)

Liebe Anna, vielen Dank für deine Zeit und deine Inspirationen!

Etwas gebrauchtes unterm Weihnachtsbaum ist für Anna nicht ungewöhnlich

Also ich kann euch Annas Blog wirklich wärmstens ans Herz legen!! Ich habe mich selbst durch ihre vielen informativen Artikel gelesen (und bin noch lange nicht fertig). Ihre Ideen scheinen endlos und ihre Freude, über ihr Herzensthema zu schreiben ungebrochen. Ganz happy bin ich auch, dass ich schon ein paar Tipps von Annas Seite umgesetzt habe (z.B. kaufe ich dank Anna keine Notizzettel mehr und habe trotzdem immer genug Papier).

Mehr über Anna könnt ihr z.B. in diesem Zeitungsartikel erfahren und außerdem hat sie sich auch - wie ich - mit Emily von "Sach An!" getroffen. Im daraus entstandenen Video erzählt Anna von ihrem Blog und zeigt Emily, wie man Deo zu Hause selbst machen kann.

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* alle Fotos sind von Annas Blog und wurden mir für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt (© Anna Menke)

** "Fast Fashion" ist (in Anlehnung an "Fast Food") als Mode zu verstehen, wie wir sie heute kennen: viele Kollektionen im Jahr, günstige Preise, schlechte Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Als Gegenbewegung etablieren sich gerade immer mehr Labels im "Fair Fashion"-Bereich

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