Warum ich Plattdeutsch lerne + Verlosung // Regional

13.3.19

Plattdeutsch begegnet einem mittlerweile immer öfter
Wie ihr wisst, komme ich aus Bayern und bin mit dem bairischen Dialekt aufgewachsen. Von anderen deutschen Dialekten und Sprachen hatte ich lange keine Ahnung. Und vor allem Norddeutschland war seeeeehr seeeeehr weit weg. Wäre da nicht ein Idol gewesen, durch das mir die norddeutsche Kultur und Sprache ins tiefe Bayern gebracht wurde: Otto <3

Obwohl sich mein Interesse für Schiffe, Fische und (nicht Mittel-)Meer damals in Grenzen hielt, fand ich die Otto-Filme fantastisch und lernte mein allererstes plattdeutsches Wort: "Moin"!

Ein paar Jahre später habe ich dann meinen Mann kennengelernt und zum ersten Mal Fettes Brot mit "Nordish by nature" gehört. Verstanden habe ich damals von den plattdeutschen Textteilen natürlich kein Wort. Doch nach und nach hat das Gesungene (mit Übersetzungshilfe) ein bisschen mehr Sinn ergeben.

Vor zehn Jahren hätte ich davon noch kein Wort verstanden... Löppt!

Doch in den folgenden Jahren, in denen ich Bayern verließ und erst in Rostock und dann hier in Oldenburg gelebt habe, hatte ich komischerweise nicht mehr Berührungspunkte mit Plattdeutsch als vor dem Umzug: was ich meistens auf Platt zu hören bekam waren nur einige eingestreute Wörter, die fester Bestandteil der Umgangssprache meiner Schwiegerfamilie sind. Punkt. Und die konnte ich mit der Zeit natürlich sehr gut verstehen: schnacken, Mors, Tied, upp'n swutsch, mittenmang, usw.

Zu dem Zeitpunkt habe ich - obwohl ich aus dem Studium schon wusste, dass Plattdeutsch eine eigene Sprache ist - diese wenigen Ausdrücke eher als Dialekt und reinen Teil von Umgangssprache abgetan... Welch großer Sprachschatz hinter diesen losen Wörtern schlummert, war mir überhaupt nicht bewusst!

Auch die Stadt Oldenburg engagiert sich fürs Weiterleben der plattdeutschen Sprache
Wann ich genau auf Plattdeutsch als Sprache aufmerksam wurde, kann ich gar nicht mehr richtig sagen, aber wahrscheinlich war es, als ich "De fofftig Penns" live beim Freifeld Festival in Oldenburg gesehen habe. Da stand also eine Band auf der Bühne, die coolen Hip Hop machte, der komplett auf Plattdeutsch war! Wow. Natürlich wollte ich, wie damals bei Fettes Brot, auch den Inhalt der Lieder verstehen. Also hörte ich sie mir immer und immer wieder an ;)

Mit der Zeit konnte ich mir viele Wörter selbst erschließen und hatte nun wirklich "Blut geleckt". Beim Sprachenlernen bin ich passenderweise ein "auditiver Typ" und profitiere sehr von fremdsprachigen Filmen und Musik. Dass es nun also die Möglichkeit gab, Plattdeutsch nicht nur wort-, sondern sätze- oder sogar texteweise hören zu können, fand ich wirklich hilfreich dabei, mich der Sprache anzunähern.
 
Plattdeutsch: aus dem (früheren) Landleben rund um Oldenburg nicht wegzudenken

Umso häufiger mir Plattdeutsch hier in Oldenburg im Alltag begegnete, umso mehr Interesse hatte ich daran, diese Sprache tatsächlich zu lernen. Und umso mehr fielen mir wiederum Dinge ins Auge, die etwas damit zu tun haben (siehe Beispiele unten). Und wenn ich im letzten Jahr etwas auf Platt aufgeschnappt habe, habe ich sofort versucht, es gut zu lesen bzw. nachzusprechen und es mir so zu merken.

Meinen Weg zur plattdeutschen Sprache habe ich euch nun erzählt, aber ihr müsst vielleicht auch wissen, dass ich Sprachen allgemein liebe. Schon als Kind habe ich (im Urlaub) alles aufgesogen, was mit Fremdsprachen zu tun hatte. Klingt vielleicht etwas nerdy, aber ist es nicht spannend, Stück für Stück mehr von einem Land, seinen Menschen und seiner Kultur zu verstehen?

Der Reiz beim Sprachenlernen liegt für mich auf jeden Fall darin, dass ich mir eine komplett neue Welt erschließen kann. Jede Sprache hat ihre Eigenheiten - zum Beispiel Wörter, die sich nicht so leicht übersetzen lassen - in denen sich die Mentalität ihrer Sprecher/innen widerspiegelt.

Für Kinder oder Anfänger (so wie mich): das Mini-Buch "Lüttje Muus" ist sooo schön gemacht!

Nach Englisch, Latein, Französisch und Italienisch wäre Plattdeutsch nun meine fünfte Fremdsprache und ich hoffe, dass ich mich bald schon ein bisschen auf Platt verständigen kann. Erstmal sammle ich noch genügend Wortschatz und höre weiterhin gut zu - Grammatikpauken stelle ich somit weiter hinten an. Ohnehin sollte einen die Angst vor (zu viel) Grammatik nicht davon abhalten, eine Sprache zu lernen. Sprachen sind zum Sprechen da und Menschen verzeihen gerne Grammatikfehler, wenn man sich bemüht. Also traut euch einfach!

Ein bisschen besorgniserregend finde ich noch die vielen Varianten des Plattdeutschen, die je nach Region gesprochen werden. Aber ich werde, wie gesagt, einfach weiter das, was ich hier im Oldenburger Raum lese/höre aufsaugen und wiedergeben. Vielleicht hole ich mir  sicherheitshalber noch ein richtiges Lernheft dazu, schließlich ist es mir ganz ernst mit meinem Vorhaben und der fünften Fremdsprache.

Führungen auf Platt gehören schon fest zur Stadt und zum Schlossgarten

Um mich für diesen Artikel rundum zu informieren, habe ich auch noch mit zwei (quasi) Muttersprachlern über Plattdeutsch gesprochen: Annie Heger (die ich euch hier schon vorgestellt habe) und Stefan Meyer (von der Oldenburgischen Landschaft). Die beiden habe ich letztes Jahr getrennt voneinander getroffen und sie über alles rund ums Plattdeutsche ausgequetscht.

"Ich wurde plattdeutsch sozialisiert", erzählt Annie, die in Aurich geboren wurde, gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Dass ihre Eltern mit den Kindern durchweg hochdeutsch sprachen, gleichten die Großeltern nämlich mit Plattdeutsch wieder aus, erzählten Geschichten und sangen Lieder. Deshalb ist es auch diese Sprache, die bei Annie Heimatgefühle auslöst.

Stefan Meyer ist dagegen rein mit Plattdeutsch als Muttersprache aufgewachsen und kann sich in dieser Sprache am besten ausdrücken. "In den fünfziger bis siebziger Jahren wurden die Kinder noch davon abgehalten, Plattdeutsch zu sprechen", weiß Stefan, der sich auch beruflich mit der Sprache beschäftigt. Denn die Oldenburgische Landschaft ist eine regionale Kulturförderung, die sich auch dafür einsetzt, Menschen für Plattdeutsch zu begeistern - mit Lesewettbewerben, Schulmaterial, "plattdütsch"em Kalender, Bandcontest und dem PLATTART-FESTIVAL (dazu findet ihr weiter unten mehr Infos!).

Ein Klassiker der niederdeutschen Literatur. Hier allerdings in einer hochdeutsche Version.
"Plattdeutsch ist unaufgeregt und entschleunigt. Es ist aber auch eine sehr kreative Sprache", verrät Annie, die seit Jahren mit plattdeutschen Liedern und Texten auf der Bühne steht (2016 erhielt sie den "Niederdeutschen Literaturpreis"). Nach ihren Lieblingswörtern gefragt, muss sie trotzdem erst ein wenig überlegen. "Reselveren!", sagt sie dann. "Das bedeutet so viel wie "in sich gehen und eine Entscheidung treffen". Aber das Wort für Ameise ist auch schön: miegheemke."

Auch Stefan Meyer nennt mir ein Tier, den "Winnewupp" (Maulwurf). Allerdings gefällt ihm nicht, wenn das Plattdeutsche als "niedliche" Sprache hingestellt wird, weil eben auch die Schimpfwörter (z.B. "dösbaddel") nicht so ganz böse klingen wie auf hochdeutsch. "Die sind aber ganz und gar nicht niedlich gemeint, da sollte es keine Missverstände geben", warnt er mich.

Wie ich im Interview mit Stefan Meyer erfahre, gibt es ja noch eine andere Sprache, die immer vergessen wird: das Saterfriesische.  Doch kommen wir zurück zur "Renaissance" des Plattdeutschen. Warum wird Platt wieder zunehmend beliebter?

Für Annie ist die Sache klar: "Viele Menschen besinnen sich wieder stärker auf ihre Herkunft und der Lokalpatriotismus wächst. Außerdem hat Plattdeutsch noch einen Exotenstatus, was auf den ein oder anderen cool wirken kann."

Auszug aus einem alten Buch über Bräuche im Osnabrücker Raum

Wahrscheinlich trägt die harte Arbeit der Oldenburgischen Landschaft und anderer Organisationen einfach Früchte und das gute plattdeutsche Angebot führt zu gesteigertem Interesse, was wieder zu mehr Angeboten führt.

Danke also an Annie Heger und Stefan Meyer für ihren Einsatz, diese Sprache, die ihnen so sehr am Herzen liegt, an andere Menschen weiterzugeben!

Nun kommen wir also zu meiner "Hitlist", die ein plattdeutsches Potpourri ist, aus Liedern, Videos, Blogs, Büchern und Veranstaltungen, die mir in den vergangenen Monaten begegnet sind und die ich gerne mit euch teilen möchte. Ich hoffe, ihr könnt einiges davon verstehen oder fühlt euch motiviert, es zu versuchen. Glaubt mir: Dat löppt!

Wer das versteht, darf sich setzen und den Mund halten ;)

Hier habe ich Plattdeutsch gelesen/gehört/gelernt:

- De fofftig Penns (plattdeutscher Hip Hop)
- "Watt'n Skandaal" (Bühnenprogramm von Annie Heger)
- Tee un Kooken (ein zauberhafter plattdeutscher Backblog)
- Platt Möövi (Instagram-Seite mit plattdeutschen Sprüchen)

- "Ritter Trenk op Platt" (Kinderfilm)

- "Lüttje Muus" (Kinderbuch)

- "Ostfriesisch für Anfänger" (Film)

- Stadt- und Schlossgartenführungen op Platt

- "Dat du mien leevsten büst" (traditionelles Lied)

- "Schlopp good, mien leev" (Schlaflieder-CD für Kinder von Insina Lüschen und Jens Pape)

- "Ostfriesland" (Poetry-Slam-Text von Annika Blanke) - Achtung: nur für Fortgeschrittene ;)
- Vorlesezelt am Weihnachtsmarkt mit plattdeutschen Texten

PLATTArt Festival vom 22.03.-31.03.2019
verschiedene Formate an verschiedenen Standorten, aber alles op platt   --->  Wir sehen uns dort!

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel und der Liste ein bisschen inspirieren und bin gespannt auf eure eigenen Geschichten zum Plattdeutschen! Was verbindet ihr mit der Sprache? Warum möchtet ihr sie (nicht oder neu) lernen? Was ist euer Lieblingswort/-spruch auf Plattdeutsch?

Wenn ihr mir dazu einen Kommentar (hier oder bei Instagram) hinterlasst, kommt ihr in den Lostopf für eine Ausgabe der "Lüttje Muus" (s. Bild oben) mit ein paar Extras. Die Gewinner/in wird am 24. März um 20 Uhr gezogen und dann von mir benachrichtigt (also hinterlasst hier auf dem Blog auch euer Google-Profil/eine Mailadresse). Bannig veel Glück!

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