Faszination Bonsai // Oldenbürger/innen

14.6.18


In der Kategorie Oldenbürger/innen möchte ich euch heute einen Mann vorstellen, den ich schon sehr lange kenne: meinen Schwiegervater André.

Aber ich stelle ihn natürlich nicht (nur) vor, weil er mit mir verwandt ist, sondern weil er ein interessantes Hobby hat: Bonsai

Und da er Ende des Monats (23.-24.06.) an den Norddeutschen Bonsaitagen im Botanischen Garten teilnimmt, habe ich mich mal genauer mit ihm über seine Leidenschaft unterhalten. 

André mit einem seiner Lieblingsbäume, einer Azalee
André, wann hat das mit den Bonsai bei dir eigentlich angefangen?

Vor 30 Jahren habe ich mir meinen allerersten Bonsai gekauft. Damals fand ich ihn einfach nur schön. Als ich dann Ende der Neunziger mit einem Bekannten beim Großhändler in Holland war, war es um mich geschehen. Anfangs hatte ich nur ganz wenige Bäume, aber irgendwann möchte man von jeder Pflanze ein Exemplar besitzen (lacht).

Was fasziniert dich an den japanischen Minibäumen?

Das Interessanteste ist, dass man - undzwar in überschaubarer Form - einen ganzen Baum mit all seinen Eigenschaften hat. Man kann gut beobachten, wie er sich entwickelt und über die Jahreszeiten verändert.
 

Und hast du auch schon eigene Bonsai ausgestellt?

Mit dem Bonsai-Arbeitskreis Oldenburg sind wir jedes Jahr auf den Norddeutschen Bonsai-Tagen, wo ich immer auch eine meiner Pflanzen zeige. Außerdem hat der Arbeitskreis immer mal wieder kleine Ausstellungen, z.B. im Botanischen Garten Oldenburg oder Park der Gärten Bad Zwischenahn.


Was ist dein Lieblingsbonsai?

Am liebsten mag ich die Eibe, weil sie eine der wenigen Nadelbäume ist, der auch aus altem Holz treibt.
 

Ein Ginko-Bonsai, der Teil der letzten Ausstellung in Oldenburg (2012) war

Wo hast du gelernt, wie man Bonsai gestaltet?

Ich habe viel im Arbeitskreis und in meiner siebenjährigen Ausbildung gelernt. Eine Abschlussprüfung hatte ich bei einem echten japanischen Bonsai-Meister, Meister Ando.


Ein wahrgewordenes Japan-Klischee: Hello Kitty

Apropos Japan: Letztes Jahr hattest du die Möglichkeit, zur Bonsai-Weltausstellung nach Tokio zu reisen. Was hat dir dort am besten gefallen?

Japan ist wirklich ein faszinierendes Land und eine ganz andere Kultur. Ich war 14 Tage dort und der Besuch der Weltausstellung war nur ein ganz kleiner Teil der Reise. Die meiste Zeit haben wir private Sammler oder Händler besucht. Überall wurden wir herzlich empfangen und haben tolle Bonsai gesehen. Auf der Weltausstellung waren zum Beispiel welche, die schon mehrere hundert Jahre alt sind! Wir haben auch ein ganzes Dorf gesehen, das nur aus Bonsaianern besteht - vergleichbar mit dem deutschen Künstlerdorf Worpswede.

Wie hast du dich auf die Reise vorbereitet?

Oh, ich habe mich ganz lange und intensiv darauf vorbereitet, Bücher gelesen und ein paar Brocken Japanisch gelernt. So konnte ich meine Reise genießen und mich auf die fremde Kultur dort einlassen.

Goldener Drachen Zentempel in Kyoto

Ein Muss für alle Japan-Besucher: eine Fahrt mit dem Shinkansen

Ein 600 Jahre alter Bonsai auf der Weltausstellung in Tokio


Was hast du von deiner Japan-Reise mitgenommen - im wortwörtlichen und übertragenen Sinn?

(überlegt) Ich konnte natürlich nicht anders, als einen Baum zu kaufen, der dann mit dem Schiff nach Deutschland geschickt wurde. Außerdem habe ich als Erinnerung an die Weltausstellung den Ausstellungskatalog mit allen 300 Exponaten bestellt. Inspirationen habe ich mir selbstverständlich auch in Japan geholt, vor allem was die Art der Präsentation angeht. Die Zen-Garten-Ecke und die Stellagen (siehe erstes Foto oben) habe ich nach meiner Rückkehr angelegt bzw. gebaut. 

Gastfreundschaft wird in Japan groß geschrieben - auch Fremden gegenüber

Was erwartet die Oldenburger/innen am 23. und 24. Juni im Botanischen Garten?

Eine schöne Ausstellung mit natürlich jeder Menge Bonsai. Wir werden ungefähr 100 Bäume ausstellen und an beiden Tagen Gestaltungsdemos zeigen. Außerdem sind Händler vor Ort, bei denen man Pflanzen und Werkzeug kaufen kann. Auch  Schalenbauer sind mit dabei. Und am Samstag wird es gegen 12 Uhr eine exklusive Vorstellung der japanischen Sportart Kendo geben.


Und gibt es auch etwas für Kinder?
 
Ja, ich werde diesmal sogar einen Workshop für Kinder geben, am Sonntag um 14 Uhr. Dafür kann man sich bei Interesse einfach direkt am Ausstellungstag anmelden.  


Auf der Bonsai-Weltausstellung: eine Schulklasse steht vor Bäumen aus einer Baumschule

Zum Schluss: Was braucht man, um ein/e echte/r Bonsaianer/in zu werden?

Erstmal nicht viel. Das Wissen kann man sich aneignen und im Arbeitskreis bekommt man auch viele Tipps. Nur ein Händchen fürs Gestalten sollte man schon haben, wenn man sich dieses Hobby aussucht. Aber wie schon gesagt, erfährt man auch viel Unterstützung. Wenn man auch noch Mitglied im Bonsai Club Deutschland wird, bekommt man für 54€ Jahresbeitrag vier Bonsaihefte mit Veranstaltungstipps und zwei kostenlose, regionale Workshops - bei Bonsai im Norden - angeboten. Und unsere Ausstellungen werden vom Bonsai Club Deutschland finanziell unterstützt.

Was möchtest du abschließend noch sagen?

Der Bonsai Arbeitskreis Oldenburg freut sich immer über neue Mitglieder! Wer Interesse hat, kann gerne zu einem unserer Treffen kommen, das jeden dritten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Schrebergartenvereinsheim an der Wilhelm-Raabe-Straße stattfindet.




Mit diesem - ganz nach Zen-Tradition - entspannenden Bild beende ich den Blogartikel und das Interview mit André.

 Und noch ein Tipp: sprecht André doch einfach am Ausstellungswochenende im Botanischen Garten an! Dann kann er euch noch mehr über Bonsai oder seine Japanreise erzählen. 

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Fotos: (copyright) André von Holt & Eva von Holt

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