Ein Tag in... Wilhelmshaven // Ausflüge

27.9.18


Obwohl ich nun schon seit knapp einem Jahr in Wilhelmshaven arbeite, kam mir erst vor Kurzem in den Sinn, die Stadt hier auf dem Blog vorzustellen. Und das hat verschiedene Gründe. Zum einen habe ich unterwegs und während der Arbeitszeit nur sehr wenig von Wilhelmshaven gesehen. Und zum anderen hätte ich nicht gedacht, dass es abseits von Zweckbauten und Leerstand auch schöne Ecken dort gibt.

Ja, ich gebe es zu. Ich habe mich von der schlechten Meinung über Wilhelmshaven, die auch unter den Oldenburger/innen sehr verbreitet ist, anstecken lassen und der Stadt keine Chance gegeben. Doch jetzt habe ich es gewagt und mich auf die Suche nach interessanten Plätzen in Wilhelmshaven begeben...

Und ich habe sie gefunden!!

In diesem Blogpost möchte ich euch nun dazu inspirieren, es mir gleich zu tun und der Industriestadt im hohen Norden einen Besuch abzustatten und sie eines zweiten Blickes zu würdigen.

Strahlend blauer Himmel über dem Morgæn-Café

Ausgangspunkt meiner Erkundungstour ist das super coole Morgæn-Café in der Markstr. 95. Es wurde mir schon vor einiger Zeit bei Instagram vorgeschlagen und da ich die Fotos so schön fand, musste ich es einfach in der Mittagspause kurz besuchen. 

Schöne Farben und der ein oder andere Hingucker (an der Decke)
Abgesehen von der gemütlichen Atmosphäre und der fantastischen Einrichtung könnt ihr im Morgæn auch Kaffee&Co., (veganen) Kuchen und Frühstück genießen. Für mich gibt es an diesem Tag nur eine schnelle Limo, aber nächstes Mal bestelle ich auf jeden Fall etwas Süßes und am liebsten würde ich meinen ganzen Arbeitstag dort verbringen ;)

Schöner Platz am Fenster
An einem ganz anderen Tag setze ich dann meine Wilhelmshaven-Tour fort. Mit meinen Kursteilnehmern besuche ich das Küstenmuseum und auf dem Weg dorthin kommen wir an ein paar schönen Gebäuden vorbei.

Ich mag ja gerne diese Backsteinoptik. Leider weiß ich nicht, was in diesem Gebäude ist.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal in der Nähe des Bahnhofs

Und auch der ehemalige deutsche Kaiser und Namenspatron von Wilhelmshaven kreuzt unseren Weg. Als historische Figur finde ich ihn zwar nicht gerade verehrenswert, aber wenn in dieser Stadt ein Denkmal von ihm steht, ist das schon okay...

Auch fußläufig vom Bahnhof zu erreichen: Das Küstenmuseum
Das Thema "Stadtgeschichte" setzt sich kurz darauf im Museum fort. Dort gibt es nämlich einen Teil, der sich mit dem Meer (Deichbau, Siedlungen, Handel, usw.) beschäftigt und einen über Wilhelmshaven selbst (und noch Platz für zwei Sonderausstellungen).

Beim Deichbau: Anschaulicher geht es kaum
Und um es hier nochmal ganz klar zu sagen: Vom Küstenmuseum war ich wirklich begeistert!! Es zeigt super anschaulich und schön, wie das Leben in dieser Region früher gewesen ist. Als Besucher/in darf man sogar selbst in die Rolle jener Menschen schlüpfen, die hier mal gelebt haben. Nämlich indem man Deicherstiefel anzieht und einen Klotz trägt, der so schwer ist wie der Schlick ("Klei"), der zum Deichbau verwendet wurde. Was für eine Plackerei das gewesen sein muss!

Alte Straßenschilder aus Wilhelmshaven

Schöne Fliesen aus dem 19. Jahrhundert
Nachdem wir uns auch noch die beiden Sonderausstellungen zu Marineschiffen und deutschen Kriegsgefangenen in Japan angeschaut haben, entlasse ich meine Teilnehmer in den Feierabend. Ich selbst will aber noch weiter. Das Erkundungsfieber hat mich gepackt und so marschiere ich strammen Schrittes Richtung Kaiser-Wilhelm-Brücke, die ich schon im Internet, aber noch nie live gesehen habe.


Von den Wilhelmshavenern wird sie ganz unromantisch und pragmatisch "KW-Brücke" genannt, was ihr in meinen Augen nicht gerecht wird. Ich finde sie nämlich wirklich interessant! Solche Brückenkonstruktionen aus Stahl erinnern mich nämlich an amerikanische Filme (vgl. Brooklyn Bridge und Golden Gate Bridge) - aus Bayern kenne ich nämlich eher reine Steinbrücken.

Den marinegeschichtlichen Teil der Stadt hat man immer im Hinterkopf

Zwar habe ich auf meinem weiteren Weg durch die Wilhelmshavener Südstadt schon Seitenstechen, aber ich habe ja noch einen Punkt auf meiner WHV-Liste übrig: Die Soulshine Fabrik - ein wirklich wunderschöner, spannender Laden! Doch seht selbst:



Die Soulshine Fabrik kannte ich bisher auch nur digital, aber ich war vom coolen Look und den kreativen Ideen der Inhaber schon lange begeistert. Und dass sich hier ein wirklich kreatives Zentrum Wilhelmshavens befindet, merke ich gleich beim Reinkommen, als ich mitten in einen Kaffeeklatsch/Brainstorming platze.


Da werfe ich doch gleich mal die Frage in die Runde, warum Wilhelmshaven einen so schlechten Ruf hat und warum es vielleicht doch besser ist als viele denken.

Es ist von Aufbruchstimmung die Rede, vom Südstadt-Kiez der an Berlin erinnert, von Bürger/innen die etwas bewegen wollen. Aber auch von Rückschlägen (Abriss der Südzentrale) und viel Leerstand.

"Wir müssen den Leerstand mit Kultur füllen", berichtet mir Annemarie Rasche, die mit ihrem Bruder und ihrer Mutter den coolen Laden in der Südstadt schmeißt. Auf dem Plakat hinter mir steht: "Wenn man nix tut, tut sich auch nix" - das Motto der Anwesenden.


Und sie tun etwas: Sie werten das Image ihrer Stadt auf, indem sie Shirts und Beutel mit dem stolzen Slogen "I <3 Wilhelmsfuckinghaven" verkaufen. Sie machen Kunst ("Raubdrucke" von Gullideckeln) und lassen so die Wilhelmhavener/innen selbst kreativ werden. Und sie tun etwas für die Umwelt: in der Soulshine Fabrik kann man kostenloses Leitungswasser für die Trinkflasche bekommen und coole selbstdesignte Einkaufsbeutel im Seeräuberlook fürs plastikfreie Einkaufen in Wilhelmshaven erwerben.


Nach diesem interessanten Zwischenstopp mit so viel positiver Energie und geballter Kreativität trete ich beschwingt den Rückweg zum Auto an. Doch da sehe ich ein paar süße Meeresbewohner in einem kleinen Eckladen:


Auf zum Meer - aber nur mit den drei Kraken im Gepäck
Kurzerhand gehe ich rein und quatsche die Ladeninhaberin Petra Harnack an, die gerade an der Nähmaschine sitzt. Im "Kleine Wunder und andere Werke" kann man die schönen Sachen, die Petra herstellt kaufen oder sich zu einer kleinen Nährunde treffen und eigene Ideen umsetzen.


Zum Schluss komme ich - auch in der Rheinstraße - noch am Kush's vorbei, das mir von Annemarie empfohlen wurde, aber noch geschlossen hatte. Wenn man aber nachmittags/abends in Wilhelmshaven ist, soll es dort sehr gemütlich sein.

Und so komme ich nach einer langen Tour mit schmerzenden Beinen, aber voll mit Ideen und schönen Impulsen wieder am Auto an. Danke Wilhelmshaven für diese Erfahrungen und die Erkenntnis, dass man auch außerhalb seiner Komfortzone schöne Dinge entdecken kann!

Und: dass man selbst ein Teil der Veränderung sein kann (muss?), die man seinem Umfeld abverlangt.

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2 Kommentare

  1. ja irgendwie ist und bleibt Wilhelmshaven so ein Stiefkind auf meiner Reiseliste, aber toller Beitrag. Danke

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  2. Das Gebäude auf dem Weg zum Museum ist das Robert - Koch- Haus. Früher war dort das Gesundheitsamt, dann wurde es verkauft und nun ist dort eine Immobilienvermittlung ansässig.

    Danke für den schönen Beitrag über meine Heimat!

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