Ein Tag in... Osnabrück // Ausflüge in die Umgebung

20.5.18


Osnabrück und Oldenburg haben eine ganz besondere Beziehung zueinander. Undzwar eine nicht immer ganz nette. Denn beide Städte konkurrieren seit Jahren um den Titel "drittgrößte Stadt Niedersachsens" (nach Hannover und Braunschweig). Und wie das so ist bei Konkurrenten lässt man am Anderen meist kein gutes Haar.

Doch ich als "Zugereiste" ließ mich von den Vorurteilen gegenüber Osnabrück (z.B. "keine schöne Innenstadt" / "komplett in russischer Hand") nicht beirren und wollte mir selbst ein Bild von der Stadt machen.


Und da Osnabrück nur eineinhalb Zugstunden von Oldenburg entfernt liegt, eignet es sich super für einen Tagesausflug.

Mit Max und meiner Freundin Livia im Schlepptau zog ich los, um die Oldenburger Vorurteile zu widerlegen. Der Weg vom Bahnhof in die Innenstadt führte uns an Erotikshops und Casinos vorbei und bis zu dieser Kirche (oben) und diesem Brunnen hier, hatte ich noch nichts entdeckt, was ich fotografieren wollte. Aber die Umgebung von Hauptbahnhöfen ist schließlich in den meisten Städten (selbst in München) schmuddelig, also was solls ;)


Vom Brunnen aus mussten wir nur noch einmal um eine Kurve und endlich begann der touristisch interessante Teil: Die Osnabrücker Altstadt! Mit dem Dom, dem Theater, der St. Marien Kirche und dem Rathaus. 

Die Speisekarte beinhaltet übrigens auch vegane Speisen
Da es schon 12 Uhr war (wie uns die Kirchenglocken des Doms - gefühlte 15 Minuten lang - unmissverständlich mitgeteilt hatten), kehrten wir in der Trattoria "Am Rathaus" ein. Wäre an unserem Fenster nicht eine Blaskapelle mit quietschorangenen Kostümen vorbeigelaufen, hätte ich wirklich denken können, dass wir in Italien sind. Von den Crissini auf dem Tisch über die rot-weiß-karierten Tischdecken bis hin zur knusprigen (Vollkorn)Pizza war alles herrlich authentisch. Mille grazie dafür!




Nach diesem leckeren Zwischenstopp wollten wir uns voll in die Osnabrücker Kultur stürzen und gingen in die gegenüberliegende Kirche St. Marien, wo gerade eine Ausstellung gezeigt wurde. Ich glaube das war das erste Mal, dass ich eine Ausstellung in einer Kirche gesehen habe - super Idee! Die Figuren fügten sich gut in ihre Umgebung ein.



Und es wurde noch mehr Kultur geboten: Unser Besuch in Osnabrück fiel nämlich zufällig auf ein großes Stadtfest, das jährlich stattfindet - die "Maiwoche". Davon zeugte nicht nur dieser schöne Maibaum, sondern auch Bühnen, Buden und Fahrgeschäfte über die halbe Innenstadt verteilt.




Uns zog es aber erstmal weiter durch die kleinen Straßen, vorbei an schönen Häuserfassaden (wow!) und chicen Cafés in Richtung Heger Tor, das ich mir vorher als eine der Sehenswürdigkeiten von einer Internetseite abgeschrieben habe (wer braucht schon Reiseführer?).

In der Stadt war mittags schon reges Treiben und eins der vielen Cafés, an denen wir vorbei kamen, zeigte sogar die royale Hochzeit auf einem großen Fernseher. Public Viewing mal anders ;)

"Bestuhlung" vor einer Kneipe. Die Osnabrücker haben echt Humor.

Schöne, kleine Details wohin das Auge blickt

Das Heger Tor

Seitdem ich in Bologna war, liebe ich Stadttore und das Heger Tor ist - für deutsche Verhältnisse - ein sehr schönes Exemplar. Und von oben hat man auch eine gute Aussicht. Zum Beispiel auf das Felix Nussbaum - Museum auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Doch für einen Museumbesuch war das Wetter zu gut (ok, bewölkt, aber kein Regen) und die Zeit zu knapp. Also ging es weiter zum nächsten Punkt auf der Liste: das hippe Eiscafé "Schlecks".

Moderne Architektur

Dekorierte Natur

Industrie Kultur
Das Handy führte uns durch große eintönige Straßen und vorbei an einem interessant hässlichen Gebäude mit eigener Fußgängerbrücke... Welcher Architekt das wohl verbrochen hat?! Doch als wir in die Redlingerstraße einbogen, war all die Zweckbautristesse vergessen und wir wurden reich belohnt, mit einer ganzen Straße voller schöner Lädchen und Cafés!


Im ersten Geschäft ("Die Möllering") musste ich sofort eine dieser wunderschönen Postkarten und ein kleines Geschenk für eine liebe Freundin kaufen. Hätte ich mehr Geld dabei gehabt, hätte ich den halben Laden leer gekauft. Aber da wusste ich ja noch nicht, dass sechs weitere auf dem Weg zum Eiscafé folgen würden ;)


Alltagskunst

Fantastisch! Diese Straße erinnerte mich eher an Berlin als an das, was ich von Osnabrück erwartet habe. Fairtrade-Mode-Geschäfte, Secondhandläden, himmlische Deko-Shops und und und. Da könnte sich Oldenburg definitv eine Scheibe abschneiden!!

"Schlecks" hat auch veganes Eis im Angebot
Und am Ende der Straße: ein Kneipenviertel mit großem Kinderspielplatz in der Mitte und der ersehnte Eisladen. Hier pulsierte das Leben. Und wie ich da so in einem Liegestuhl saß, das Supereis mit Topping in einer schokoüberzogenen Waffel in der Hand, machte sich ein nagendes Gefühl in mir breit: Neid.

So ein Kneipenviertel, so einen schönen Spielplatz und so ein fantastisches Eis würde ich mir schon lange für die Oldenburger Innenstadt wünschen!

Während der Maiwoche auf dem Spielplatz: die "Kinderwerkstatt-OS" mit tollen Spielangeboten

Bevor ich jedoch auf die wahnwitzige Idee gekommen wäre, aus Oldenburg wegzuziehen (niemals!), ließen wir die schöne Stadtoase hinter uns und machten uns auf den Weg Richtung Rummel. Max wollte nämlich endlich Karussel fahren und Live-Musik hören.

Falsches Karussel: Das hier wurde zur Bar umgebaut.

Stadtfest vor historischen Bauten - hier das Osnabrücker Theater
Da es schon später Nachmittag war, wollten wir noch gemütlich in ein Café einkehren - undzwar das "Lieblingskaffee", das Karin schon auf ihrem Blog empfohlen hatte, aber dort war es recht voll und die Toiletten defekt...oh nein!! Also zogen wir weiter durch die Stadt und über die Maiwoche. Dabei kamen wir nochmal am Rathaus mit seiner berühmten Türklinke vorbei, die an den Westfälischen Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg erinnert.


Das Rathaus hatte allerdings schon zu und wir hatten auch genug gesehen für einen Tag. Zeit, sich auf den Nachhauseweg zu machen. Auf dem Rückweg zum Bahnhof, durch die immer voller werdenden Straßen (vergleichbar mit Samstag Spätnachmittag auf dem Oldenburger Stadtfest) versuchte ich meine Eindrücke von Osnabrück im Kopf zusammenzubringen. Historische Altstadt, schöne Fachwerkhäuser, lebendige Kaffeehauskultur, urige Kneipen, ein eigenes Szeneviertel, individuelle und kreative Geschäfte, kleine grüne Inseln im Stadtkern GEGEN Leerstand, anonyme Gebäudekomplexe, abgerockte Fassaden, mehrspurige Straßen, viele Scherben auf dem Boden (wahrscheinlich durch das Maifest bedingt), viel Stahl und Beton...


Schöne Caféterasse...

...versus unattraktiver Bahnhofsvorplatz.

Ein richtiges Urteil kann ich mir nach ein paar Stunden Osnabrück jedenfalls noch nicht bilden. Aber da ich sicherlich wiederkommen werde, muss ich das auch nicht. Die oben genannten Vorurteile kann ich jedoch nicht bestätigen. Weder ist die (Innen)stadt gänzlich uninteressant, noch habe ich Osnabrück als Klein-Moskau wahrgenommen. Es ist eine lebendige Stadt, die Kultur und schöne Ecken zu bieten hat. Und genau die werde ich beim nächsten Mal (wieder) besuchen!

Wart ihr schon mal in Osnabrück? Wie findet ihr die Stadt?

Das könnte dir auch gefallen

0 Kommentare

Inhalt

Die Inhalte meines Blogs sind, soweit nicht anders angegeben, mein Eigentum. Sie dürfen ohne schriftliche Zustimmung nicht kopiert oder anderweitig genutzt werden.

Impressum